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2 Gespräche

Besuche Ernst, den Lebensgefährten meiner Mutter, im Rehab-Zentrum am Rosenhügel. Er hatte einen Schlaganfall, den er - mit 78 - verhältnismäßig gut überstanden hat. Seine Beweglichkeit ist ziemlich o.k., beim Sprechen bringt er manchmal was nicht ganz heraus.
Ich tue mir normalerweise nicht leicht mit ihm, wir sind sehr verschieden. Er ist ein Stachanov-Arbeiter, ich ein Hedonist, er ist FPÖ-Sympathisant, der allerdings jetzt wieder ÖVP gewählt hatte, zu vielen Dingen hat er eine sehr starre, rigide, autoritäre Meinung, von der er nicht abzubringen ist. Früher war alles besser, bei der Hitlerjugend haben sie ihnen Werte beigebracht usw. So höre ich halt zu, ändern wird er sich nicht mehr.
Heute war es
aber ganz angenehm, wir plauderten ruhig eine gute Stunde auf seinem Balkon im Heim, dann fuhr ich wieder.

Ganz anders verlaufen die Gespräche mit der Mutter. Wenn sie anruft, kommt man unter einer dreiviertel Stunde nicht davon, in einem Wortschwall erzählt sie mit einem ungeheuren Druck, einer Art Druckwelle, was sie beschäftigt und allerlei Nebensächlichkeiten aus dem Ort. Habe mir angewöhnt, den Mobilteil des Telefons auf Lautsprecher zu schalten, dann habe ich die Hände frei und kann allerhand nebenbei erledigen. Meine Mails durchschauen z. B. oder mir eine Jause richten oder ein wenig recherchieren oder einen Kaffee machen oder was in der Wohnung suchen oder eine Runde Mahjong spielen.
Sie wäre stockbeleidigt, wenn sie wüsste, dass ich mich ihr nicht 100%ig widme, aber es ist besser so und so kann ich mir ihre Sachen gelassener und geduldiger anhören.
Seit frühester Kindheit sind ihre "Gespräche" mit mir entweder Monologe voller Anweisungen und Ermahnungen, wo sie mir ihre gesammelten Lebensweisheiten mitteilen muss oder eine Batterie von Fragen, auf die ich meist keine Lust habe, zu antworten. Ich habe mir angewöhnt viel Persönliches NICHT zu erzählen, weil sie das dann wie ein Detektiv als Puzzle zusammensetzt und "gegen mich verwendet". Warum ich dies und jenes noch nicht gemacht hätte usw. usf.
Also ein etwas einseitiges Vergnügen.
Allerdings gibt es viele Züge, die ich an ihr schätze. Ihre Gastfreundschaft, ihre geistige Beweglichkeit und ihre Bereitschaft, was dazu zu lernen, z. B. Oder ihre Freude, wenn sie wem eine Freude machen kann, ihre liebevoll ausgesuchten Geschenke uvm.
Und wie sie sich weiterentwickelt hat in den Jahren von der Bauerntochter zur in vielen Punkten modern denkenden Frau.
Auch hat sie ihre Sprache weiterentwickelt, sich viele Fremdwörter angeeignet, sich weitergebildet. Lustig ist auch oft, wenn sie erzählt, wie sie Leute nachmacht, eigentlich parodiert. Diese Kabarettbegagung der Beobachtung hab ich vielleicht von ihr.
Von ihrer Kur brachte sie drei Leitsätze von einem Vortrag mit, die sie sich immer wieder wiederholen soll, damit sie ihr in Fleisch und Blut übergehen:

Ich darf auf mich schauen

Ich vertraue meiner Vernunft
Ich darf neu und freudig leben

Dagegen ist doch wirklich nichts einzuwenden, oder?!

7.10.08 01:39
 


bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lemmie / Website (7.10.08 06:36)
Hallo Francesco!
Ich hoffe, Du hast Deiner Mutter schon gesagt, was Du an ihr so schätzt
Lieben Gruß
Lemmie


G.Nem / Website (7.10.08 08:03)
>>Ich habe mir angewöhnt viel Persönliches
>>NICHT zu erzählen, weil sie das dann wie
>>ein Detektiv als Puzzle zusammensetzt
>>und "gegen mich verwendet".

Diese unangenehme Eigenschaft haben viele Frauen, was z. B. in Beziehungen zu Unehrlichkeit führt.

Zu dem Thema könnte ich einen ganzen Roman schreiben (der mich aber schon beim Gedanken daran fadisiert).

Bei meiner Mutter ist es das genau Gegenteil wie bei deiner - ihr muss ich jede Mitteilung quasi aus der Nase ziehen. War schon in meiner Kindheit so. Die Frau konnte dich mit eisernem Schweigen fertig machen.

Wie heißt es in Bayern so treffend - "Es is ned leicht! Aber leicht hat´s einen."


MarieM / Website (7.10.08 10:04)
Tja.

Ich habe ja so eine knallharte Einstellung zu Müttern, dass ich sie besser für mich behalte, obgleich ich selbst eine bin, eine Mutter.

Nur so viel, dass ich denke und auch immer wieder erfahre, dass Mütter ihre Kinder zeit ihres Lebens "verbrauchen", weil sie zu egoistisch sind, sie wirklich los zu lassen, sie wirklich erwachsen werden zu lassen. Sie weiden sich in der Abhängigkeit ihrer Kinder zu sich, damit sie weiterhin eine Legitimation zum Leben haben, obgleich sie selbst gern frei wären, sich dieses aber aus gesellschaftlichen Gründen (Rabenmütter) niemals ehrlich zugestehen wollen.
So gibt es häufig ein sehr unehrliches Miteinandersein, oder eben ein Aneinandervorbeisein zwischen Müttern und Kindern, bis zu deren Tod.
Erst dann dürfen "die Kinder" erwachsen und frei werden, was durchaus nicht leicht ist, denn sie hingen jahrzehntelang an der "Nabelschnur" und müssen von daher selbst im eigenen Alter endlich laufen lernen.

Tja.

Viele Mütter scheitern an ihrem eigenen Pathos. Mit ihnen ihre Kinder. Ich sehe das mit Bedauern. Und sehe mit Bedauern, dass Mütter offensichtlich aufgrund der ihnen auferlegten Gesellschaftsstrukturen kaum in der Lage sind selbstzureflektieren.

Ich freue mich über jeden Schritt, den mein Sohn (21) ohne mich geht, freue mich über sein "Lebenwollen" - und bemühe mich redlich, eine unegoistische Mutter zu sein und ihn nicht vollzustopfen mit "guten Ratschlägen". Meine Erziehungszeit ist beendet. Ich kann ihm ein Freund sein, ein ebenbürtiger Freund, jemand, der ihn erst nimmt, IHN ernst nimmt.

Liebe Grüße, niemand braucht ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er sich vor "seiner Übermutter schützt" ...

Marie


Francesco / Website (7.10.08 11:37)
@lemmie

ja, hab ich ihr gesagt, öfters. aber es sind so wellen, wo ich sie sehr beachtlich finde und mich freue und wo sie mich sehr nervt mit ihrer übergriffigen tendenz.

lg
francesco


Francesco / Website (7.10.08 11:39)
@G.Nem
kommt dir auch bekannt vor, ja?

und zum zitat, kenn ich auch, so:

"ma hats net leicht
aber leicht hats am"

lg und froher schaffen
francesco


Francesco / Website (7.10.08 11:48)
@MarieM

um das loslassen können oder wollen, genau darum geht es. man muss misstrauisch sein, wenn wer sagt "ich will nur dein bestes". richtige standardantwort darauf: "aber ich geb`s nicht her".
man müsse ja die ratschläge, die gesammelten lebensweisheiten weitergeben, weil man "die lebenserfahrung" habe, sagte meine mutter, meine großmutter und meine urgroßmutter, mit denen ich im gemeinsamen haus aufwuchs. der haken ist nur, wenn man dies tut wie die katholische kirche, wie ein dogma. sie haben IHRE erfahrungen gemacht (die kriegs- und nachkriegserfahrungen), ich MEINE. sie lebten am land, ich in der stadt. vieles von dem, was sie erlebt haben ist für mich nicht brauchbar. (wie z.b. sprichwörter, die diese lebenserfahrung legitimieren sollten).
ein analytiker hat mir einmal gesagt: ihre mutter hat sie nicht als eigene, eigenständige person betrachtet, sondern als teil von sich, als verlängerter körperteil, mit dem sie ihr ungelebtes leben realisieren möchte.
ihre gesammelten befürchtungen, ängste, hoffnungen, konzepte sollte ich SEIN.

dazu fällt mir eine lieblingsstelle von kahlil gibran ein, die ich extra in die bärenpost stellen werde, es geht um kinder und eltern. du kennst es vielleicht.

lg und danke für deine sicht und für die art, wie du mit tim und seinem erwachsen werden umgehst. ich glaube, du hast ihm viel mitgegeben und einen guten start ins leben ermöglicht.

in herzlicher verbundenheit

francesco


Marie / Website (8.10.08 22:53)
@francesco

Teil I "meines Romans" (einteilig geht er nicht "durch" hier)

Eben das, was du oben schilderst, sind die "Krankheiten" der Mütter, Großmütter usw., viele denken zu einseitig, zu rigide, halten ihr eigenes Leben und Erleben für das Non plus Ultra und können kaum gedanklich davon abweichen, beziehen Veränderungen der Welt und des Lebens ihrer Kinder nicht mit ein, "überreden" dieses einfach, fragen ihre fünfzigjährigen "Kinder" noch, ob sie auch eine Jacke anhaben, wenn es kalt draußen ist - wollen aber ansonsten eigentlich nichts von ihnen hören, wenn nur Gutes, wenn nur Anständiges, wenn nur, dass sie leben, wie man es ihnen "sagte", denn man sagte ihnen schließlich oft genug, wie das Leben geht, nämlich fünfzig Jahre lang!
Es ist infam, einen erwachsenen Menschen, der täglich sein Brot irgendwo verdient, seine Frau oder seinen Mann im Leben steht, irgendwie, vielleicht längst eine eigene Familie hat, diese versorgt usw., danach zu fragen, ob er eine Jacke anzieht, wenn es draußen kalt ist. Täte er das nicht, wäre er wohl längst erfroren.

"Mütter machen die Kinder krank", sagte einmal ein befreundeter Therapeut zu mir. Ich stimme ihm zu. Er meinte damit die Mütter, die ihre Kinder niemals wirklich loslassen wollen, als Legitimation für ihr eigenes Leben benutzen, fast möchte ich sagen, missbrauchen.


Marie / Website (8.10.08 22:54)
Teil II

Es gibt eine aktive Mutterzeit, in der man das oder die kleinen Vögelchen füttert, ihnen das Fliegen beibringt, ihnen zeigt, wie Nahrungssuche möglich ist - dann kommt eine passive Mutterzeit, in der man sich tunlichst zurückziehen sollte, denn die Kinder können nun fliegen - wenn sie auch seltsamst landen, oder seltsamst aufsteigen - sie können fliegen, können sich in der Luft halten - HURRA! BRAVO! ERMUTIGUNG! JA! SCHAU! DU KANNST ES (denn: Irgendwann bin ich einmal nicht mehr da - ich, deine Mutter, und ich möchte, dass du lernst zurechtzukommen, bevor ich gehe und nicht taumelst und fällst, wenn und weil ich gehe, weil ich dein Zurechtkommen durch übertriebens Zu- und Überfüttern im Erwachsenenalter verhindert habe, weil ich mir selbst gar so wichtig war! Ich möchte, dass du eigene Wurzeln fasst, eigene, nicht meine, ich habe dich geboren, damit DU DEN leben kannst, der du bist und nicht den, den andere gerne hätten. Werde du, darum wurdest du geboren, werde du und leiste als DU SELBST deinen Beitrag in und für diese Welt).

Wenn du sieben Mal hinfällst, mein Kind, so stehe acht Mal wieder auf.

Es ist DEIN Leben.


KAHLIL GIBRAN ist wunderbar! Ich bin seinem Text irgendwo vor Jahren begegnet und habe ihn mir sehr zu Herzen genommen.


Marie / Website (8.10.08 22:55)
Teil III


Danke für dein Lob bezüglich Tim, lieber Francesco. Ich habe Fehler gemacht, wie jede Mutter, jeder Vater Fehler macht in der Erziehung. Wir reifen ja in der Elternschaft mit unseren Kindern, niemand bekommt eine Liste in die Hand gedrückt als junges Elternpaar, auf der steht, so erzieht man ein Kind (richtig). Niemand weiß es ja auch wirklich. Alle, alle versuchen nur, versuchen, wie es gehen könnte.
Wichtig war mir immer, dass mein Sohn ohne schlechtes Gewissen sein kann, wenn er einmal selbstständig wird, ohne schlechtes Gewissen mir gegenüber, dass er frei sein kann, mich aus der Freiheit mein Sohn zu sein heraus lieben möchte. Und, dass wir ehrlich zueinander sind. Wir sind es. Wir sind zwei Menschen, die sich nichts verheimlichen müssen, die sich aber auch nicht alles mitteilen müssen. Wir sind frei. Wir sind Mutter und Sohn - und lassen uns frei.
Als Eltern, als Mutter hat man eine große Aufgabe erfüllt, wenn man das eigene Kind so weit brachte, dass es Freude an der Selbstständigkeit empfindet, Freude daran, das Leben zu leben mit allen seinen Höhen, und auch mit allen seinen Tiefen. Das Leben ist ein Abenteuer.

So. Dieses sind natürlich nur Fragmente, denen man sicher auch widersprechen kann, wenn einem danach ist. Aber es sind meine Fragmente, ich habe sie für mich so erfahren und erfahre sie weiterhin, denn ich bleibe eine Mutter, bin aber auch eine Frau, eine Dies, eine Das, ein ICH, und werde, so lange ich auf dieser Welt bin, für meinen Sohn da sein, wenn er mich braucht, als Mutter und als Freund.

In herzlicher Verbundenheit
Marie


Marie / Website (8.10.08 22:59)
@G.Nem

Auch Schweigen kann eine Möglichkeit werden, Menschen an sich zu binden.
"Mütter" sind ja auch nur Menschen, manipulativ eben.

Herzliche Grüße in deinen Abend! Wenn du schon keinen Roman schreibst, ich habe oben einen begonnen...*lach*...

Marie

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